Ems-Training Newsletter

Einschätzungen des DSSV

„EMS IST EINE GUTE ERGÄNZUNG FÜR INHABERGEFÜHRTE STUDIOS!“

DSSV-Präsidentin Birgit Schwarze, DSSV-Hauptgeschäftsführer Refit Kamberovic und DSSV-Geschäftsstellenleiterin Sabrina Fütterer informieren über die beeindruckende Entwicklung des EMS-Marktes und die Chancen für klassische Fitnessanbieter, vom EMS-Boom zu profitieren. 

 

newsystems: In den DSSV Eckdaten der deutschen Fitness-Wirtschaft 2018 wurden erstmalig Daten zum deutschen EMS-Markt erhoben. Was ist der Grund dafür, diesen Markt in einer eigenen Kategorie zu beatrachten?

Sabrina Fütterer: 1.064 reine EMS-Studios, 130.000 Mitglieder und ein monatlicher Mitgliedsbeitrag von knapp 90,- Euro brutto: Diese Werte sind für Deutschland beachtenswert, haben uns aber nicht wirklich überrascht. Wir beobachten den Markt seit Jahren und haben solche Werte durchaus erwartet.

 

Birgit Schwarze: Da diese Art von Studio auch spezielle Anforderungen hat, haben wir als DSSV besondere Unterlagen, wie z. B. die Existenzgründungsbroschüre für EMS-Anbieter, entwickelt. Und natürlich freuen wir uns über die vielen EMS-Studios unter unseren DSSV-Mitgliedern.

 

newsystems: Was ist bei der Erhebung aufgefallen?
Sabrina Fütterer: 1.064 reine EMS-Studios, 130.000 Mitglieder und ein monatlicher Mitgliedsbeitrag von knapp 90,- Euro brutto: Diese Werte sind für Deutschland beachtenswert, haben uns aber nicht wirklich überrascht. Wir beobachten den Markt seit Jahren und haben solche Werte durchaus erwartet.

Wir fanden es angemessen in separaten Kapiteln der Eckdatenstudie herauszustellen, wie hoch beispielsweise die Beiträge in den EMS-Studios sind. Die Beitragssituation im EMS-Bereich ist vorbildlich für die gesamte Branche, da es im Gegensatz zu anderen Bereichen bisher keine Abwärtsentwicklung und keinen erkennbaren Negativtrend gibt.

 

newsystems: Wie ist eure Prognose für die zukünftige Entwicklung des EMS-Marktes?
Refit Kamberovic: Wir gehen von einem Zuwachs auf 2.500 Studios in den nächsten drei bis fünf Jahren aus. Die Entwicklung der Ketten im EMS-Markt ist sehr stark. Diese ist bisher völlig anders verlaufen als in klassischen Fitnessstudios. Dort sind eher inhabergeführte Studios entstanden. Bei EMS hat sich das Franchise- und Lizenz-System durchgesetzt. Der Wachstumsmarkt für EMS als Trainingsform ist durch diese Systeme viel größer. Zusätzlich ist das Investitionsvolumen pro Studio deutlich geringer und damit sind die Markteintrittsbarrieren geringer.

 

Sabrina Fütterer: EMS-Training spricht eine andere Zielgruppe an als klassische Fitnessstudios. EMS-Kunden können sich mit dem klassischen Fitnesstraining oft nicht identifizieren. Sie wollen ein kurzes, anderes Training – da ist EMS eine Alternative.

Durch die neue Zielgruppe entwickelt sich auch eine neue Gruppe unter den Studiobetreibern, die größtenteils gar nicht aus der Branche kommen und sich an den verschiedenen Franchise-Konzepten orientieren können.

 

newsystems: Wie kann der klassische Fitnessmarkt von dieser Entwicklung profitieren?
Refit Kamberovic: Der Wettbewerb für klassische Studios wird immer härter. EMS-Training ist deshalb eine Alternative für inhabergeführte Studios. „Club-im-Club“ ist das Stichwort. Man braucht im Studio eine Fläche von 20 bis 40 Quadratmeter, die übrige Infrastruktur – Parkplätze, Umkleiden etc. – ist vorhanden. Das ist ein echter Vorteil, weil die Deckungsbeiträge dadurch besser sind als bei den reinen EMS-Anbietern. Die Investition ist auch überschaubar im Verhältnis zu einem Gerätepark für klassisches Training.

 

Außerdem erreichen Studios mit dem EMS-Angebot neue Kundengruppen. Mit neuen, externen Mitgliedern lohnt sich die Investition in EMS-Training auch für viele Studios. Der EMS-Markt wird sich aus diesen Gründen wahrscheinlich auch im klassischen Fitnessbereich durchsetzen.

 

Sabrina Fütterer: EMS-Training wird als eine Art Personal Training angeboten. Im Fitnessstudio kann durch die intensive Trainingsbetreuung als Zusatzleistung ein höherer Beitrag generiert werden.

 

newsystems: Das sind beeindruckende Argumente. Warum haben dann nicht mehr Studios einen EMS-Bereich?
Refit Kamberovic: Ein traditioneller Studiobesitzer, wie ich es war, hat immer noch das klassische Kraft- und Gruppentraining im Kopf. Training ist Kraft-, Ausdauer- oder Gruppentraining. EMS-Training ist aber keine Trainingsform im klassischen Sinne. Diese alte Denke ist noch verbreitet. Deswegen hat EMS-Training sich bei den traditionellen Studios noch nicht durchgesetzt.

 

Viele Betreiber sind durch die Entwicklung im Markt gezwungen, nach Alternativen zu suchen. EMS ist die Alternative. Die Clubs, die sowieso erfolgreich sind, haben keine Barriere, neue Kunden mit neuen Methoden zu akquirieren. Diese Clubs sind schnell und haben Erfolg. Aber auch immer mehr traditionelle Clubs erkennen EMS als Trainingsform an und werden ihre Chancen wahrnehmen.

 

Sabrina Fütterer: Viele Studiobetreiber beobachten den Wettbewerb und den Markt, bevor sie sich für EMS entscheiden. Wenn EMS noch stärker ins Rollen gekommen ist, wird es sich auch in den Studios durchsetzen und „EMS-Personal-Training“ wird als Lösung gegen den Wettbewerbsdruck erkannt werden.

 

newsystems: Wie steht der DSSV dazu, EMS-Training als Gruppentraining mit mehr als zwei Trainierenden pro Trainer anzubieten?
Refit Kamberovic: EMS-Training in der Gruppe ist auf keinen Fall zu empfehlen! Der Trainer hat die Aufgabe, die Sicherheit des Kunden zu gewährleisten, den Trainierenden zu korrigieren, zu verbessern, die Übungen zu zeigen und die gesamte Betreuung zu leisten. Das ist im Gruppentrainingsbereich nicht möglich. Übrigens teilen auch verschiedene Institutionen, die im EMS-Bereich seit Jahren Forschung betreiben, die Meinung, dass EMS-Training ausschließlich als Personal Training bzw. maximal im Verhältnis 1:2 durchgeführt werden sollte. Zu diesen Institutionen zählen beispielsweise die Deutsche Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement, die Deutsche Sporthochschule Köln, die Technische Universität Kaiserslautern und die Friedrich-Alexander- Universität Erlangen-Nürnberg.

 

Birgit Schwarze: EMS kommt aus dem Reha-Training, aus der Therapie. Die Stimulanz des Muskels erfolgt durch elektrische Impulse von außen. Der Trainierende setzt den Impuls nicht selbst. Es fehlt die subjektive Belastungsgrenze. EMS ist daher kein Training im klassischen Sinn. Um die Qualität der Trainingsreize zu gewährleisten, darf ein Trainer maximal zwei Trainierende gleichzeitig direkt vor sich haben, damit er bei Bedarf sofort eingreifen kann. Das ist übrigens auch in den Richtlinien des Expertenkreises für Ganzkörper- Elektromyostimulation zur sicheren WB-EMS-Anwendung festgelegt, welche durch empirische Evidenz unterlegt ist. Mit der Weiterentwicklung der Normenreihe DIN 33961 um EMS-Training als Teil 5 – voraussichtliche Veröffentlichung im Januar 2019 – haben EMS-Anbieter die Möglichkeit, ihre Qualität durch eine neutrale Zertifizierung sichtbar zu machen. Die BSA-Zert hat bereits angekündigt, Zertifizierungen von EMS-Anbietern auf Basis der DIN-Norm 33961, Teil 5, durchzuführen.